einander kennen, ein erster Schritt auf dem Weg in eine neue Gemeinschaft, in ein Sich-nicht-mehr-fremd-Fühlen war gemacht. Als Silvester kam, standen wir: die Nachbarin, ihr Ehemann, mein Mann und ich, auf dem Vierungsturm der Oppenheimer Katharinenkirche, sahen von dort aus das Feuerwerk und stießen auf das neue Jahr mit Sekt an. Wir hatten einen schönen Anfang von 2026.
Begonnen hatte diese neue Freundschaft mit einem alten Ritual. Es hat mich daran erinnert, wie wichtig Rituale sind, um Übergänge zu gestalten, und wie viel Wert vor allem die traditionellen Rituale unserer Kirche haben: Durch die Trauung wird das Zusammenleben zweier Menschen unter den Segen Gottes gestellt, verbunden mit allen guten Wünschen durch die gottesdienstfeiernde Gemeinde, die extra zu diesem Anlass versammelt ist. Bei der Taufe erbitten wir Gottes Geleit für den in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommenen Menschen. Wenn der Getaufte ein Kind ist, beten wir auch für seine Eltern, Paten, Verwandte und Freunde. Als Kirchengemeinde machen wir uns mit dem Getauften und dessen Familie gemeinsam auf den Weg, wollen Begleitung und Unterstützung anbieten.
Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden gibt es den Segen beim Übergang der Kindheit ins Erwachsensein. Auch dieser Ritus ist wichtig, nicht nur für die Jugendlichen, die möglichst schon in der auf die Konfirmation vorbereitenden Konfi-Zeit erfahren sollen: „Du bist nicht allein, Gott steht Dir bei und begleitet Dich auf Deinem Weg! Du bist in eine Gemeinschaft gestellt, Gottes Kirche, die für Dich offenbleibt, auch wenn Wege nach der Konfirmation vielleicht erst einmal auseinandergehen.“ Wichtig ist dieses Ritual oft auch für die Eltern, sie erleben Ermutigung beim Festgottesdienst, in dem ihnen zugesagt wird: „Ihr dürft Euer Kind getrost eigene Wege gehen lassen. Gott bleibt an seiner Seite.“
Dieselbe Zusage hören Familien im Gottesdienst beim Abschied vom Kindergarten oder im Einschulungsgottesdienst. Auch diese Feiern sind Rituale, die einen Übergang gestalten. Solche anlassbezogenen Gottesdienste werden von Familien, so erlebe ich es, gerne besucht und, wo sie nicht stattfinden, eingefordert. Wertvoll ist vielen die kirchliche Begleitung beim Abschiednehmen, wenn wir einen nahestehenden Menschen loslassen müssen. Wo es ans Sterben und Trauern geht, finden Menschen Hoffnung und Trost in Worten der Bibel, haben wir als Kirche einen reichen Schatz zu geben: Rituale, die in schweren, sogar entwurzelnden Situationen Halt geben.
Schätzen wir unsere Rituale nicht gering, halten wir sie hoch und lassen wir sie, wo sie fehlen, wiederaufleben! Pfarrerinnen und Pfarrer haben eine breite theoretische und praktische Kompetenz, die sie zu Fachleuten für Rituale macht. Zur Seelsorge gehören Kenntnisse