Im Gespräch mit Sophia Liebert entspinnt sich schnell ein lebendiger Austausch – über Alltägliches, Wissenswertes und theologische Fragen. Kurz gesagt: Mit der jungen Theologin lässt sich gut reden. Die Pfarrerin sucht gerne den Kontakt zu ihren Mitmenschen: „Menschen in ihrer Situation erspüren, im Gespräch mehr über ihre Geschichte und ihre Motivation zu erfahren, das ist mein besonderes Anliegen“, erklärt Sophia Liebert, „Denn für mich ist es genau das, was Jesus gemacht hat. Er hat die Menschen angeschaut und nachgefragt, was sie bewegt. Und er hat insbesondere den Menschen, denen es nicht so gut geht, seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.“
Genau darin sieht Sophia Liebert eine wesentliche Aufgabe der Kirche: „Einander erst mal zuhören und so zwischenmenschliche Verständigung ermöglichen – dafür öffnet Kirche Räume.“ Diesem Thema hat sie sich schon in ihrem „vor-theologischen“ Leben gewidmet. Sophia Liebert ist gelernte Juristin und begann ihre berufliche Karriere in Wirtschaftsunternehmen. „Für mich bot schon das Jurastudium die Möglichkeit, mich mit dem Funktionieren des menschlichen Zusammenlebens zu beschäftigen,“ erinnert sie sich. „Die Theologie ist für mich davon auch eine Fortsetzung.“
Angekommen zwischen Reben und Rhein
Im sonnigen Rheinhessen zwischen Reben und Rhein fühlt sich Sophia Liebert mit ihrem aus Mainz stammenden Mann und ihrer kleinen Tochter schon sehr wohl. Auch in ihrer neuen Kirchengemeinde ist sie gut angekommen. Kein Wunder, ist sie doch als Würzburgerin sowohl mit Weinbergen als auch mit einer fröhlichen, gelebten Ökumene gut vertraut: „Dass ich gerade hier meine erste Stelle als Pfarrerin antrete, ist mir eine besondere Freude“, erklärt die Theologin, „Die Menschen pflegen hier neben einer großen Heimatverbundenheit auch eine sehr herzliche Willkommenskultur.“
Diese Herzlichkeit der Menschen hat die Pfarrerin schon kurz nach dem Einzug in das Gau-Algesheimer Pfarrhaus erlebt. Die Tochter fand in der Kita schnell Anschluss und auf den Weinfesten kam das neu zugezogene Paar rasch mit vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ins Gespräch.
Vom Recht zur Theologie
Die Entscheidung, parallel zu ihrer Berufstätigkeit in Wirtschaftsunternehmen Theologie in München zu studieren und damit einen bereits eingeschlagenen, vielversprechenden Karriereweg zu verlassen, fällte Sophia Liebert keineswegs spontan. Es war eine bewusste Antwort auf die Frage: „Was will ich weiter mit meinem Leben machen?“. Den endgültigen Anstoß für das Theologiestudium gab eine von einer katholischen Kirchengemeinde organisierte Pilgerreise nach Israel. „Mich hat nicht nur die Begeisterung des Pastoralehepaars angesteckt, das die Reise leitete“, erinnert sich die junge Frau, „Es hat auch etwas mit mir gemacht, diese wichtigen Orte der Christenheit zu erleben – zu tanzen und zu singen am See Genezareth.“ Das Theologiestudium an der Ludwig-Maximilans-Universität München sei daher „genau richtig“ für sie gewesen.
Kirche als Raum der Verständigung
Während ihres Vikariats im Evangelischen Dekanat Wetterau beschäftigte sich die Theologin intensiv mit „midi“, der Zukunftswerkstatt von Evangelischer Kirche und Diakonie. Ziel von „midi“ ist es, Menschen durch das Angebot von #VerständigungsOrten zu erreichen, wo sie einander zuhören, unterschiedliche Sichtweisen aushalten und miteinander ins Gespräch kommen können.
In Gau-Algesheim wird Sophia Liebert zunächst Seite an Seite mit Pfarrerin Ursula Hassinger arbeiten, die zum 31. Januar 2027 in den Ruhestand geht. Der Arbeitsschwerpunkt der jungen Pfarrerin wird zunächst die Konfirmandenarbeit sein.
In ihrer Freizeit singt Sophia Liebert gerne: „Im gemeinsamen Singen lässt sich für mich gut Kraft schöpfen. Wir sind miteinander verbunden, können dabei zur Ruhe kommen und Gottes Gegenwart spüren“, erzählt sie. „Kirche ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um aufzutanken und gemeinsam Glauben erleben können. Diese Erfahrungen leiten mich“.
Der Festgottesdienst zur Amtseinführung (Ordination) von Pfarrerin Sophia Liebert ist am Samstag, 26. September 2026 unter Beteiligung der Pröpstin von Rheinhessen und Nassauer Land, Henriette Crüwell, und dem Dekan des Evangelischen Dekanats Ingelheim und Oppenheim, Olliver Zobel. Gefeiert wird um 14:00 Uhr in der Evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Gau-Algesheim mit anschließendem Empfang und der Möglichkeit zu persönlichen Begegnungen.